Statements

PROJEKT: EINE WOCHE MITLEBEN

 

Auf der Suche …

... nach mir selbst und meinem Glauben, gönnte ich mir eine Auszeit der Ruhe und Stille im Diakonissen-Mutterhaus Hebron. Umgeben von Menschen, die diese Fragen für sich bereits beantwortet haben, hoffte auch ich, meinen persönlichen Weg zu finden.
Herzlich und freundlich empfangen, fühlte ich mich in meinem gemütlichen Zimmer – mit einem wundervollen Ausblick auf die Natur – gleich wohl und geborgen.
Sehr warmherzig ging es weiter, als ich bereits beim gemeinsamen Abendessen der Schwesterngemeinschaft vorgestellt wurde und beim anschließenden Beten und Singen teilhaben durfte. In der Zeit des Mitlebens war ich von der Gastfreundschaft und Offenheit der Schwestern begeistert, da es mir frei stand, an allen Angeboten innerhalb des Mutterhauses teilzunehmen. Ich lernte interessantes Bibellesen kennen, nahm an Andachten und dem täglichen Mittagsgebet teil, war bei allen Mahlzeiten mit dabei und arbeitete morgens für einige Stunden in der Küche mit. Dennoch blieb genügend Freiraum, mich mit Schwestern zu unterhalten, zu basteln, zu spielen oder einfach die Stille zu genießen. Im Austausch mit den Schwestern lernte ich viel über den Glauben und das Leben im Namen des Herrn, wodurch auch ich mich wieder dem Gottvertrauen öffnete.
Was ich für mich mitnehme? Dass mein Leben ein Geschenk Gottes ist, an dem ich mich jeden Tag erfreuen darf. Ob ich meinen Weg gefunden habe? Vielleicht noch nicht ganz. Aber eins weiß ich jetzt: „Ich bin getragen und darf alles auf mich zukommen lassen.“
Jasmine E., 29 Jahre, Mitlebende im Januar 2013
 

 

Woher komme ich und wohin gehe ich? Woran glaube ich? Muss ich Angst vorm Tod haben? Wie kann ich mich für die menschliche Gemeinschaft einbringen und meinem Leben einen Sinn stiften? Um über diese Fragen nachzudenken kam ich Ende November 2012 zum Mitleben in die Schwesternschaft nach Marburg und bin sehr froh darüber, diesen Ort der Gemeinschaft mit den liebevollen Schwestern gefunden und für sie mit großer Freude Unmengen an Adventsplätzchen gebacken zu haben.

Der Grund für meine Begeisterung ist der folgende: Bislang kannte ich den christlichen Glauben, die Geschichten von Jesus und Gott, eher in Form von naiven Bildern aus der Bibel zu meiner Kindheit. Mit diesem Glauben tat ich mich als Heranwachsende schwer. Als ich begann, mich intensiv mit Mathematik und Physik zu beschäftigen und Mathematik zu studieren, war die Bibel für mich überholt. Den Maßstab der Erkenntnis erhoffte ich mir in der Klarheit der Naturwissenschaften. Doch je länger ich mich damit beschäftigte (inzwischen habe ich das Mathematikstudium abgeschlossen und in den Naturwissenschaften promoviert) – so stellte ich fest, dass die naturwissenschaftliche Forschung mir niemals wird Antworten auf die eingangs gestellten Fragen geben können. In grundlegender Erkenntnis kam ich durch das Hochschulstudium nicht weiter.

So kam ich wieder zu der Frage: Was ist Gott und woran darf ich glauben? Ich bin sehr froh darüber, in Marburg die Gelegenheit gehabt zu haben, über die Bibel zu diskutieren und bei der Marburger Tagung der Theologie-Studenten zu zu hören. Es hat sich mir eine ganz neue Form des Glaubens eröffnet, eine neue Lesart von Gott, Jesus und der Bibel, die sich vollständig mit allen meinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen vereinen lässt und sogar darüber hinaus geht. Diese neue Perspektive begründet sich sowohl auf den Verstand als auch auf das Gefühl – sowohl auf ein intellektuelles, rationales Verständnis als auch auf das Gefühl von Furchtlosigkeit, Empathie und Fürsorge. Nun habe ich drei Monate mit diesem Bericht gewartet, um herauszufinden, ob dieses innere Gefühl der Ruhe und der Befreiung; des Vertrauens und der Abgerundetheit; und der Verbundenheit mit dem Glauben, was ich in Marburg gefunden habe, auch nachwirkt – und das schönste dabei ist: Dieses Gefühl dauert seither nicht nur an, sondern es wächst.
Graciana Petersen, 27 Jahre, Mitlebende im November 2012

 

 

Ein Leben für Gott ...

"Ein Leben für Gott" ist der Titel eines Liedes und das, was man sich als Christ wünscht, bzw. anstrebt. Nach dem Studium stellte ich mir also die Frage, ob ich diesem Ziel noch so klar folge, ob ich noch auf dem richtigen Kurs bin? Und wie sich vor diesem Hintergrund meine berufliche Zukunft gestalten sollte?

Ein Leben für Gott, wie sieht das praktisch aus? Das war die zweite Frage.

Auf das Diakonissen-Mutterhaus Hebron hat mich lustigerweise ein Freund aufmerksam gemacht, obwohl es die ganze Zeit quasi „direkt vor meiner Nase“ war. So bin ich auf die Mitlebenwoche gekommen ...

Was ich dort so gemacht habe:

Während der Zeit bei den Schwestern in Wehrda habe ich vormittags in der Küche und der Anrichte geholfen. Das war sehr interessant - z.B. 200 Waffeln zu backen, und hat mir viel Spaß gemacht.

Am Nachmittag habe ich Zeit mit verschiedenen Schwestern verbracht – meist draußen im Garten bei der Arbeit oder beim Malen – oder ich habe die Zeit zum Nachdenken genutzt.

Gelernt habe ich dabei, dass die Schwestern eigentlich „ganz normal“ sind – sie arbeiten, sind vielleicht auch mal müde und gestalten ihre Freizeit jede auf ihre Art. Etwas ist aber „anders“. Ich glaube es sind zum einen die festgelegten Zeiten/Räume für das Bibellesen, Mittagsgebet und Andachten. Sie lenken den Blick wieder auf den eigentlichen Mittelpunkt des Tages (des Lebens). Zum anderen ist es die Gemeinschaft, die sich in Vielem zeigt, wie z.B. bei alltäglichen Dingen, wie den Mahlzeiten. Überrascht war ich immer, wie intensiv die Schwestern (unter anderem) für einander beten und sich so gegenseitig „tragen".

Im Bezug auf meine erste Frage haben mir vor allem die Gespräche und die Zeit zum Nachdenken weitergeholfen. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit!

Linda Boss, 25 Jahre, Studentin, Mitlebende im Juli 2012


 

Atempause für die Seele
Ich brauchte eine Pause. Diese Pause sollte mir etwas Erholung, von äußeren Einflüssen, von der Strömung meines eigenen Lebens und von der alltäglichen Hektik in dieser Leistungsgesellschaft, verschaffen. Ich habe bemerkt, dass ich viel Aufmerksamkeit nach außen gerichtet habe und nur wenig nach innen. Es gibt sicherlich mehrere Möglichkeiten einer Besinnung auf seinen eigenen Geist, eine der stärkeren Möglichkeiten liegt im Gebet. Deswegen nahm ich mir bewusst eine Auszeit im Diakonissen-Mutterhaus Hebron, denn ich wollte beten lernen und war gleichzeitig neugierig auf die Lebensform der Diakonissen.
Ich reiste an einem Sonntag an und wurde sehr herzlich von der Schwester Christa empfangen. Mein Zimmer befand sich im dritten Stock, die Aussicht und die gemütliche Ausstattung luden auf Anhieb zum Verweilen ein. Ich fühlte mich sofort wohl, obwohl mir noch alles neu war. Die Ruhe und vor allem die Stille, die heutzutage zu sehr kostbaren Gütern geworden sind, waren hier wie nirgendwo präsent. Schon zum Abendbrot fühlte ich mich in die Gemeinschaft der Diakonissen integriert, diesen schönen Zustand durfte ich die ganze Woche beibehalten. Ich nahm an Gebetszeiten teil, half bisschen in der Küche und beim Abwasch mit, spazierte im hauseigenen Garten oder im naheliegenden Wäldchen, erfuhr interessante Sichtweisen bei den Bibellesegruppen und führte spannende Gespräche mit Diakonissen.
Diese Woche schenkte mir Entspannung, ein Stück Geborgenheit und neue Kraft, um Gutes zu tun. Ich werde diese Woche in guter Erinnerung und Dankbarkeit, weil ich mich mir selber und Gott ein bisschen näher gekommen bin, behalten.

Emilia Rabcev, Mitlebende im Juli 2012